Pressestimmen

RN 18.09.03

Alles begann mit neuen Göttern

Dr. Ingrid Lessing verlegt seit zehn Jahren Frauenliteratur

Verlegerin wollte sie gar nicht werden, doch sie nahm die Herausforderung an: Ingrid Lessing an ihrem Schreibtisch.
RN-Foto: Klinke


Höchsten Den Traum vom Studium träumte Ingrid Lessing immer. Auch als sie eingespannt war zwischen Küche und kleinen Kindern.

Mit 40 Jahren begann sie unbeirrt Pädagogik zu studieren. Heute, als 60-Jährige, blickt Ingrid Lessing nicht nur auf ein Studium samt Doktortitel zurück, sondern auch auf eine zehnjährige Tätigkeit als Verlegerin im eigenen "Ingrid Lessing Verlag". Das hätte sie sich nicht träumen lassen.

15 Bücher hat Dr. Ingrid Lessing in dieser Zeit unter ihren Fittichen verlegt. Das durchgängige Thema: "Frauen" -Frauen, die etwas zu sagen haben, Frauen, denen sie eine Stimme geben will. Sie selbst ist frauenbewegt, Mitbegründerin des Dortmunder Frauenhauses, immer interessiert an Frauengeschichte und Frauenbiographien: Sie ist außerdem Vorsitzende des Ausschusses "Frauen" der Vereinigten Kirchenkreise.

In den 70er Jahren lernte sie die "Frauenaktion Dortmund" kennen und spürte, dass dies ihre Gruppe war. "Sie machte mich freier und selbstbewusster". Das hat sie weiter gegeben und "andere Frauen bei ihrer Selbstfindung unterstützt". In ihrer Diplomarbeit beschreibt Ingrid Lessing "Trennung und Scheidung als Befreiungsschlag".

Seit 1993 präsentiert die Dortmunderin anspruchsvolle Literatur "Von Frauen für Frauen über Frauen", Alles fing damit an, dass sie ihre Doktorarbeit . über Gottesbilder des 12.-14. Jahrhunderts ("Göttin statt Gott-Vater") gern einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht hätte. Das Werk ist eine interessante Fundstelle für diejenigen, die nach einem anderen Gott suchen.

Sie fand keinen Verleger. Entweder passte die Arbeit nicht ins Programm oder man verlangte einen Druckkostenzuschuss. Mit Hilfe ihres Sohnes, der Kaufmann ist, gründete sie den "Ingrid Lessing Verlag". Es blieb nicht bei dem einen Buch. Ein zweites, "Spurensuche", ein Handbuch zur Dortmunder Frauengeschichte folgte, ebenso Bücher zu Hexenverfolgung ("Sagt, was ich gestehen soll") und Vertreibung. Auflage: circa 1000 Stück.

Ihr Anspruch ist es, immer wieder unbequeme Titel zu veröffentlichen: "Elis zweites Leben" ist ein Roman, der das Thema "Sterbehilfe" aufgreift.' Ingrid Lessing organisiert ihren Verlag fast alleine. Ist das Buch nach einer intensiven Gesprächsphase mit der Autorin gedruckt, kümmert sie sich allein um Lesungen und den Vertrieb. Ihr Mann ("Wir haben uns zehn Jahre auseinander gesetzt") unterstützt sie, bringt Bücher in Buchhandlungen.

In Zukunft will sich Ingrid Lessing eine Auszeit nehmen und überlegen; wie sie weitermachen will: Sollen Frauenthemen auch zukünftig der Schwerpunkt ihres Verlags-Repertoires sein? Die Antwort gibt sie selbst: Sie habe bereits Kontakt zu einer Autorin geknüpft, die über Frauen schreibt, die im Krieg nach Israel ausgewandert sind. Die Auszeit wird wohl nicht lange währen.

Hildegard van Loon

Ingrid Lessing freut sich über Anregungen. E-Mail: Info@lessingverlag.de


 

Zurück zur Presse-Übersichtseite