Pressestimmen

WR 23.05.03

Teufelspakt und Hexenflug

Tatort Adlerturm: Hetty Kemmerich stellt ihr Buch "Sagt, was ich gestehen soll" vor

60000 Verurteilte bei Hexenprozessen waren Anlass für das Buch von Hetty Kemmerich. Gestern stellte sie es vor.
RN-Foto: Laryea



Die Daumenschrauben angelegt, nackt auf einem Folterstuhl gefesselt, dem Feuer oder dem Wasser übergeben. Was sich wie ein Krimi liest, ist bittere Wahrheit. Es gab wohl kaum eine Form der Quälerei, die während der Hexenverfolgung der frühen Neuzeit ausgelassen wurde.
Im Adlerturm; der, im Mittelalter zeitweise als Gefängnis und Folterstätte genutzt wurde, stellte Hetty Kemmerich gestern ihr Buch "Sagt, was ich gestehen soll" vor. Auf 340 Seiten geht es um Dämonen, Hexenflug und Teufelspakt.
"Es sind lediglich starke Kräfte, die alles beeinflussen. Zu einem solchen vorwissenschaftlichen Weltbild gehörte auch der Glaube an Zauberei und Hexerei", sagt die Autorin, die in ihrem Werk aktuelle Forschungsergebnisse auswertet und dabei 56 Einzelschicksale von Frauen, Männern mehr und auch Kindern am Niederrhein unter die Lupe nimmt.

"Es gibt keinen Zweifel mehr - auch Kinder wurden der Mitgliedschaft zur Teufelssekte bezichtigt." - es bedeutet das Ende: Verhört, gefoltert, hingerichtet. Für gewöhnlich wurde der HexereiVerdacht von missgünstigen Nachbarn in die Welt gesetzt oder es würden Gerüchte in Umlauf gebracht.
All das geschah in einem dunklen Zeitalter der Geschichte - grausam und. barbarisch. Das Buch besitzt historischen Wert mit einem starken, sozialkritischen Bezug zur Gegenwart. "Bis heute gibt es ähnliche sozialpsychologische Strukturen, wie bei der Hexenverfolgung, die durch Ausgrenzung, Stigmatisierung oder Verfolgung wirksam sind", erklärt Kemmerich. Wer hatte Schuld- Die Gesellschaft oder die Kirche - es streiten sich die Geister.
Das Buch ist seit drei Wochen auf dem Markt und in den Buchläden für 15,50 Euro erhältlich.
Sven Kulka




 

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