Pressestimmen

WR 15.12.02

Seit fast zehn Jahren ist die Dortmunderin Ingrid Lessing als Verlegerin tätig - am Anfang stand die eigene Dissertation
Frauenbuch-Verlag behauptet sich tapfer in der Nische

Der Stapel wächst: Ingrid Lessing mit Büchern aus ihrem Hause. (WR-Bild: Franz Luthe)

(jüpo) Erst beim fünften Buch hat es "Klick" gemacht, erst beim fünften Buch kam Ingrid Lessing auf die Idee, dass sie ernsthaft als Verlegerin weiter machen wollte.

Nicht mehr lange, und der kleine Ingrid-Lessing-Verlag von der Witttbräuckerstraße, der sich tapfer in der Frauenbuch-Nische behauptet, kann zehnjähriges Bestehen feiern. Dass es so weit kommen würde, hatte Verlegerin Ingrid Lessing anno 1993 nicht im Sinn. Damals suchte sie nur eine Möglichkeit, ihre Dissertation zu veröffentlichen. Und ihr Sohn, der Betriebswirtschaft studiert hatte, riet zur Gründung eines eigenen Verlags: "So schwer ist das gar nicht."
Sechs Jahre hatte Lessing zuvor zum Thema "Göttin statt Gott-Vater - Die neuen Gottesbilder des 12. bis 14. Jahrhunderts" geforscht. Im eigenen Verlag publizierte sie "sehr mutig" diese Arbeit in 1500er Auflage.400 Exemplare hat sie heute noch im Keller gelagert.
Kontakte aus der Frauenbewegung und aus kirchlichen Gruppen brachten der Verlegerin neue Buchprojekte ein. Nach und nach entwickelte sich ein Verlagsprofil, in dem verschiedenartigste Bücher von Frauen für Frauen über Frauen Platz fanden Da kann das Handbuch zur Dortmunder Frauengeschichte durchaus neben den Alltagesgeschichten einer Kindergärtnerin existieren und die Darstellung einer Kindheit in Schlesien neben dem Roman über das Schicksal einer todkranken Unternehmerin. 14 Bücher mit einer Gesamtauflage von 18000 Exemplaren sind mittlerweile im Ingrid-Lessing-Verlag erschienen.
Ungefähr beim fünften Buch, als es "Klick" machte, ist sich Ingrid Lessing nach eigenem Bekunden gewahr worden, dass Verlegerin sein auch eine Art Mission Ist. "Vielleicht", so habe sie damals gedacht, "ist es meine Aufgabe, Frauen eine Möglichkeit zum Veröffentlichen zu verschaffen." Frauen, die sonst nur schwer einen Verlag gefunden hätten. Denn das Nischen, in denen Buchprojekte zu Themen der Frauengeschichte oder der feministischen Theorie gedeihen können, rar sind, hatte Lessing mit ihrem
Buch persönlich erfahren.
Die gebürtige Winterbergerin hat einst ihre Studienpläne zuruckgestellt, um für die Familie da zu sein. Als die Kinder älter waren, hat sie Pädagogik studiert. Lessing hatte früh Kontakt zur Frauenbewegung, sie war Mitbegründerin des Dortmunder Frauenhauses. Ihre dortige" Erfahrungen mit der Gewalt, der Frauen in der Ehe ausgesetzt sein können, hatte sie tief in sich vergraben. Doch jetzt gibt es ein Buch in ihrem Verlag, das eine aus dem Ruder gelaufene Ehe aus der Sicht einer Betroffenen schildert: "...draußen wartet die Angst" von Lieselotte Kamper.
Manches hat sich seit den 70er Jahren doch noch nicht verändert.
Info: www.lessing-verlag.de


 

Zurück zur Presse-Übersichtseite