Pressestimmen

WR 16.09.03

Ein Produkt des Zufalls feiert seinen zehnten Geburtstag

Dr. Ingrid Lessing begeht Jubiläum als Verlegerin - Beginn mit eigener Doktorarbeit - Frauen Möglichkeit zur Veröffentlichung geben

Die Doktorarbeit war für Dr. Ingrid Lessing der Grund, einen
Verlag zu gründen. Jetzt wird er zehn Jahre alt.
WAZ-Bild: Rest



Ein echtes Jubiläum sind zehn Jahre nicht wirklich, dennoch sind sie ein Grund, sich zu freuen und vielleicht ein wenig Rückschau zu halten. Dr. Ingrid Lessing feiert in diesen Tagen mit ihrem Verlag zehnjähriges Bestehen.

Bei ihrer Rückschau kommt Erstaunliches ans Licht. Das Kapitel "Verlegerin" hatte sie in ihrer Lebensplanung ursprünglich nicht vorgesehen. "Ich habe viel für die Frauenbildungsarbeit getan, habe unter anderem das Frauenhaus gegründet und war Vorsitzende des Vereins ,Frauen helfen Frauen", gibt die 60-Jährige ein paar Auszüge aus ihrer beruflichen Laufbahn. Doch irgendwann habe sie eine Pause gebraucht, sie wollte etwas nur für sich machen. Also las sie in den Büchern, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten. Über die Beginen oder feministische Theologie.
Es gab nur ein Problem. Jedes Mal, wenn sie auf die Frage "Was machst Du denn so?" mit "Ich lese" antwortete, musste sie diverse Fußnoten als Erklärung dranhängen. "Also hab' ich mich entschieden, eine Doktorarbeit zu schreiben." Wegen der verbindlicheren Antwort.
Nach dem Abschluss tauchte das nächste Problem auf: "Das Buch sollte auch gelesen werden, doch bei einem Verlag passte das frauenspezifische Thema nicht ins Programm, beim anderen sollte ich mich an den Druckkosten beteiligen." Ihr Sohn machte folgenden Vorschlag: "Gründe doch selbst einen Verlag." Wegen der Veröffentlichung.

So entstand der Ingrid Lessing Verlag - allerdings irgendwie erst auf dem Papier. Selbst nachdem sie ihr drittes Buch veröffentlicht hatte, fühlte sie sich nicht als Verlegerin. Das änderte sich, als das Buch "Mache dich auf, meine Freundin' zum Bestseller wurde und in die zweite Auflage ging. Wobei man den Begriff "Bestseller" in die entsprechende Relation setzen muss. Ingrid Lessing druckt meist in einer Auflage von tausend Exemplaren.
Was wiederum den Verlag selbst einordnet. "Der ist für mich Berufung und Liebhaberei." Werbung, Vertrieb, Versand, Lektorat - alles macht Lessing selbst. "Bei der Vorbereitung eines Buches ist das ein Fulltime-Job." Da sie mit dem Verlag nicht ihren Lebensunterhalt verdienen muss, nutzt sie ihn, um Frauen die Möglichkeit zu geben, Themen zu veröffentlichen, die bei großen Unternehmen als "nicht verkaufsträchtig" abgelehnt würden. "Ich lasse die Autorinnen und Themen auf mich zukommen." 15 Bücher sind bislang erschienen, Nummer 16 soll im kommenden Jahr folgen.
Trotz dieser scheinbar geringen Zahl führt die Verlegerin ein wenig Klage: "Ich komme kaum dazu, privat zu lesen."
t.b.


 

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